Seit gut zwei Jahren gehöre ich jetzt zur Gattung „Vatertrainer“. Mit meinem Sohn bin ich zwischenzeitlich im zweiten E-Jahr angekommen.
Die erste Anfangs-Euphorie ist längst verflogen und der Fußballalltag hat uns eingeholt. Anfangs war die Begeisterung groß, bei mir, meinem Sohn und auch bei meiner Frau. Der ganze Ablauf und der dazugehörige Zeitaufwand brachten immer mehr Stress in die Familie. Wir hatten wohl den tatsächlichen Zeitaufwand unterschätzt und in unserer Familie drehte sich alles nur noch um Fußball.
Ob Ausflüge, Urlaub oder Familienfeiern, alles wurde terminlich an den Fußball ausgerichtet. Spielraum gab es nur wenig. Neben Spiele, Turniere, Training und die wöchentlichen Vereinssitzungen blieb nur wenig Zeit, um vom Fußball abzuschalten. Die Gespräche drehten sich oft nur um die Mannschaft, Verein und Organisation der nächsten Fußballtermine.
Als „Vatertrainer“ geht es eben nicht nur um das eigene Kind in der Mannschaft, sondern um die gesamte Familie.
Nicht nur, dass man vom eigenen Kind ein besonderes Verhalten erwartet, es soll auch noch besonders gut Fußballspielen. Entweder man bevorzugt sein Kind, oder erwartet vorbildliches Verhalten. Die konnte ich immer wieder in anderen Teams beobachten und habe versucht daraus zu lernen. Mir ist eins klar: jeder Vatertrainer der meint, sein Kind so zu behandeln, wie die anderen Kinder im Team, macht sich selbst was vor.
Die Sorgen und die Probleme die dabei fürs eigene Kind entstehen, lasse ich mal weg. Sie sind vielfältig genug und es ist mit Sicherheit besser, wenn der Vater nicht der Trainer ist. Das Kind kann sich ganz anders und freier im Team Verhalten und kennt nicht die Gespräche, die zuhause übers Team, Verein oder andere Kinder geführt werden.
Ab dieser Saison habe ich deshalb einen radikalen Schnitt gemacht und es funktioniert viel besser. Meine Frau ist nicht mehr für die Betreuung des Teams verantwortlich und ich habe einen Co-Trainer, der viele Termine übernimmt.
Wir unterhalten uns zuhause zwar noch über Fußball. Aber nicht über meine Mannschaft, jedenfalls nicht, wenn mein Sohn dabei ist. Meine Frau steht, wie die anderen Elternteile auch, nur noch am Spielfeldrand und sie spricht auch mit unserem Sohn über die Spiele und über die Mannschaft, damit er seine Erlebnisse loswerden kann. Ich rede nicht mehr mit unseren Sohn über die Mannschaft, oder seine Spielweise. Lob kommt natürlich, aber auch nicht mehr, als bei den anderen Kindern.
Unser Familienleben ist jetzt viel entspannter und dreht sich nicht nur noch um den Fußball. Ich kann jedem Vatertrainer nur empfehlen, die Belastung auf mehrere externe Personen zu verteilen.
Trainer werde ich bleiben, es ist einfach ein viel zu schönes Hobby. Ich hoffe aber, irgendwann nicht mehr meinen Sohn trainieren zu müssen, dies ist fürs Kind viel einfacher.
Ob das geht, da bin ich mir nicht sicher, denn dieses Hobby kostet viel Zeit und deshalb ist es doch ein Vorteil, wenn das eigene Kind trainiert wird. Die Akzeptanz bei meiner Frau ist so viel höher, denn was gibt es Schöneres, wenn Vater und Sohn ein gemeinsames Hobby haben. Vater und Sohn und dann noch zwei Teams mit Spielen, Training usw., ich bin mir nicht sicher, ob das meiner Frau und der Familie wirklich zuzumuten wäre.
Sportliche Grüße
Rainer K. aus Hamburg
Dieser Beitrag wurde erstellt von Rainer K..



Besser selbst was tun (falls man darf), als irgendein Elend ohnmächtig mitansehen zu müssen. Es gibt Eltern, die fahren nach HH o. München, aber zum Sportplatz um die Ecke, wo ihr Kind spielt und u.U. vom sog. Jugendtrainer lang gemacht o. gedemütigt wird, dafür haben sie weder Zeit noch Sinn. Als Eltern sollte man Prioritäten setzen können!
Vatertrainer, für mich seit 4 Jahren die schönste Sache der Welt, die immens viel Zeit, Herzblut und Engagement kostet.
Leider wird das von vielen “aussenstehenden Eltern” nicht gesehen und mittlerweile ist ja fast eh alles selbstverständlich, das der Trainer für 5-6 Stunden pro Woche das “Ersatzkindermädchen” geworden ist.
Der Respekt davor was alle Trainer(väter) leisten ist leider fast gegen Null gesunken und wenn es dann noch daran endet, dass bei gewissenen Entscheidungen der Trainervater und dessen Sohn persönlich beleidigt werden, frage ich mich, ist es das alles noch Wert, was wir uns Woche für Woche hier an tun……
Hallo,
bei der Ausbildung zur Trainer-Lizenz waren (rückblickend betrachtet) bestimmt 80% der Teilnehmer “Vatertrainer”.
Wie Karsten gesagt hat, muss man sich der Problematik Vater/Sohn in einer Mannschaft bewußt sein und versuchen, möglichst “gerecht” zu sein, Aber natürlich erwarte auch ich von meinem Kind besondere Folgsamkeit., nicht aber besondere Leistungen.
Wie schon gesagt, spielen zeitliche Gründe eine wesentliche Rolle. Es ist schlichtweg nicht vorstellbar, einerseits Trainer zu sein und andererseits sich Zeit zu nehmen, um sein oder gar seine Kinder zum Fußballspielen zu begleiten (was durchaus auch erwartet wird).
Ein Einbinden der ganzen Familie hat es bei mir nie gebraucht, von daher kann meine Frau als Mutter zu schauen. Hier gibt es denn aber durchaus kontroverse Diskussionen, weil sie nicht immer meiner Meinung ist oder einiges viel radikaler anpacken würde, weil sie gedanklich keine Rücksicht nehmen muss.
Letztendlich bleibt im Ergebnis: Vatertrainer ist vielleicht nicht immer eine glücklichste Lösung, aber es ist eine Lösung. Wenn man es nicht macht, gibt es nicht viele Anwärter auf den “Job”. Und wenn es eine bessere Lösung gibt, ergreift sie.
Grüße aus dem nördlichen Nachbarn Lübeck
Thomas